Gewaltfreie Kommunikation

Konzeption und Durchführung: Samiya Bilgin (Biographie)

Zeitumfang: Wöchentlich 2 Unterrichtsstunden Arbeit mit den Klassen, wobei jede Klasse 4 Unterrichtsstunden erhält. Diese Maßnahme durchläuft jeweils das ganze Schuljahr.

Die LehrerInnen erhalten monatlich 2-3 Unterrichtsstunden Supervisionssitzungen.

Die Maßnahme „Herzohren oder Kopfmünder?“ lehnt sich an die Methode der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) von Marshall Rosenberg an. Die durchführende Lehrerin hat eine fundierte Ausbildung im Bereich der GFK absolviert und arbeitet in ihren schulischen Bereichen nach dieser Methode

1. Grundlagen der GFK

Die GFK basiert auf dem Menschenbild, dass unsere Gefühle Mittler zu unseren Bedürfnissen sind und dass wir – jeder für sich – dafür verantwortlich sind, die Erfüllung der Bedürfnisse herbei zu führen und/ oder andere um Hilfestellungen zur Erfüllung zu bitten.

Es ist jedem Menschen grundsätzlich ein tiefes Bedürfnis, zur Erfüllung der Bedürfnisse seiner Mitmenschen beizutragen, sofern diese sich gegenüber seinen eigenen Bedürfnissen offen und akzeptierend zeigen.

Die GFK…

  • pflegt eine wertschätzende und respektierende Grundhaltung aller Menschen zueinander.
  • respektiert, dass alles, was ein Mensch tut, Ausdruck seiner Bedürfnisse ist.
  • weiß, dass es tragische Weisen des Ausdrucks von Bedürfnissen gibt, die sicherlich nicht zur Erfüllung der Bedürfnisse beitragen.
  • erkennt, dass verbale Gewalt (Schimpfwörter, Beleidigungen…), seelische Gewalt (Mobbing, Erniedrigungen, Androhungen…) und körperliche Gewalt (Schläge, Kämpfe, Missbraucherlebnisse…) häufig daher rühren, dass der Agierende keine andere Ausdrucksmöglichkeit seiner Bedürfnisse kennt oder zur Verfügung hat.
2. Die SchülerInnen …
  • sind es meist nicht gewohnt, ihre Gefühle als Hinweisschilder zu ihren eigenen Bedürfnissen zu sehen und sich für die Erfüllung derselben einzusetzen und/ oder andere darum zu bitten, zur Erfüllung der Bedürfnisse beizutragen.
  • sehen meistens den anderen für ihre eigenen Gefühle verantwortlich und fordern von diesem, dass er sich um ihr Wohlergehen kümmert.
Die SchülerInnen lernen …
  • ihre eigenen und die Gefühle der anderen kennen.
  • die Bedürfnisse als universelle Lebensäußerungen verstehen.
  • traurige und schöne Weisen, Bedürfnisse auszudrücken, kennen.
  • die Wichtigkeit des verbalen Ausdrucks der eigenen Gefühle und Bedürfnisse kennen.
  • beobachten statt bewerten.
  • Angst, Wut und Trauer anzunehmen.
  • die Gesprächsmethode der GFK kennen.
  • emphatisch zuhören (Dies ist eine Form des Zuhörens, die sich ganz in den anderen versetzt. Sie begleitet den anderen in seiner Weise, die Dinge zu sehen, ohne ihm Ratschläge oder Tipps zu geben. Sie sucht nicht nach Lösungen, sondern nur danach, zu verstehen.) und sich einfühlen.
Die SchülerInnen lernen dies über die Methoden:
  • Puppenspiel
  • Rollenspiel
  • Malen, Basteln
  • Plakatgestaltung
  • Singen
  • Gedichte spielen
  • Gespräche führen
  • Stillarbeit
3. Ausführliche Beschreibung der Methode der GFK

Die Methode der GFK orientiert sich an 4 Schritten:

1. BEOBACHTUNG: Eine Situation/ ein Konflikt wird ohne Bewertung, ohne Verallgemeinerungen, Interpretationen oder Unterstellungen, Pauschalisierungen und Regeln beobachtet und beschrieben.

2. GEFÜHL: Jeder Mensch hat in jedem Moment Gefühle. Diese sind immer in uns lebendig, weisen auf unsere Bedürfnisse hin und zeigen, ob diese erfüllt oder nicht erfüllt sind.

3. BEDÜRFNIS: Sie drücken aus, was der Mensch braucht. Sie sind universell, d.h., dass jeder Mensch alle Bedürfnisse kennt. Es gibt viele Handlungen (Strategien), Bedürfnisse zu erfüllen.

4. BITTE: Mit der Bitte laden wir andere ein, zu unserer Bedürfnisbefriedigung beizutragen. Sie ist positiv formuliert und sofort durchführbar. Sie fordert nicht, sondern bittet, d.h., dass der andere frei ist, ihr nachzugehen.

4. Wolf und Giraffe

Der Wolf ist ein Rudeltier und ordnet sich hierarchischen Anordnungen unhinterfragt unter. Er schnüffelt immer nah am Boden. In der GFK ist er der Vertreter der Weise, die Dinge zu sehen, in der Recht und Unrecht, gut und böse… herrschen. Er will alles besser wissen und überlegen sein. Er plagt sich und andere mit Vorwürfen, Dogmen, Regeln und Gesetzen. Er kann keine Verantwortung für sich übernehmen. An seinen Gefühlen tragen die anderen Schuld.

Die Giraffe hat das größte Herz aller landlebenden Säugetiere. Sie greift keine Tiere an und frisst keinem etwas weg. Sie kann aus großer Distanz die Dinge beschauen. In der GFK ist sie das Wesen, das von Herzen zuhören kann. Sie kann alles verstehen, auch das, was sie nicht gutheißt. Sie ist voller Liebe und Güte und hilft dem anderen, seine Gefühle und Bedürfnisse zu sehen und die Verantwortung für diese zu tragen.

Mit den Symboltieren „Wolf und Giraffe“ erleben die SchülerInnen, ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken und die der anderen zu hören. Kleine Spielszenen begleiten die Schüler in eine empathische Grundhaltung.

Die SchülerInnen lernen, sich auf eine Weise mitzuteilen, die es dem anderen möglich macht, ihnen zuzuhören. Diese Weise des Selbstausdrucks ermöglicht LehrerInnen und SchülerInnen sich aufrichtig und mit Freude mitzuteilen und den anderen einzuladen, Wünsche und Bedürfnisse kennen zu lernen. Sowohl LehrerInnen als auch SchülerInnen können sich dieser Ausdrucksmethode bedienen und dadurch viele Schmerzen und Ängste verhindern.

5. Ziele der Maßnahme „Herzohren oder Kopfmünder?“

Die Schuljahr begleitende Maßnahme möchte unterstützen, dass die SchülerInnen und LehrerInnen eine Weise kennen lernen um mit Konflikten umzugehen, die auf Wertschätzung und Partnerschaft basiert.

Sie lernen …

  • für die eigenen Gefühle und Bedürfnisse ein zu stehen, ohne andere unter Druck zu setzten oder Forderungen an diese zu stellen.
  • die eigenen Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken.
  • deeskalierend in Konfliktsituationen zu wirken.
  • das eigene Selbstwertgefühl aufzubauen.
  • das Einfühlungsvermögen zu stärken (emphatisches Zuhören, klares Sprechen).